Bootstrapping vs. VC

Wann eigenes Geld die bessere Wahl ist

Kapital ist keine Belohnung. Kapital ist eine Verpflichtung. VC-Geld ist ein Vertrag über Geschwindigkeit: Du wirst gefragt, ob du bereit bist, Entscheidungen zu treffen, die nach Wachstum um jeden Preis verlangen, weil der Fonds diese Geschwindigkeit braucht, um seine eigene Gleichung zu bedienen.

Die Frage ist nicht, ob du Kapital bekommst. Die Frage ist, ob du es brauchst. Und ob der Preis, den du dafür zahlst, zu dem passt, was du aufbauen willst.

Bevor diese Frage entscheidend wird, gibt es eine wichtigere: wann du lieber Angestellter wirst.

Welche Geschäfte überhaupt VC-fähig sind, ergibt sich aus dem Vier-Beweise-Framework.

Fünf Kriterien für die Entscheidung

Die Marktgröße ist die erste Frage: Gibt es genug Käufer, genug Budget, genug Wiederholung? Wenn dein Markt eine Nische ist, die gut funktioniert, aber nicht zehnmal größer werden kann, ist VC der falsche Motor.

Die zweite Frage betrifft die Wachstumsmechanik: Kann dein Wachstum schneller werden, wenn du mehr Ressourcen hast, oder bleibt es linear? Wenn jeder neue Kunde denselben manuellen Aufwand kostet, macht mehr Geld das Geschäft nicht besser.

Dann die Margen: Welche Bruttomarge ist möglich, wenn das Geschäft zehnmal so groß ist?

Exit-Plausibilität ist der vierte Punkt. VC-Geld kommt über einen Verkauf oder Börsengang zurück. Ohne Exit gibt es keinen Return.

Und zuletzt die Gründer-Ambition: Willst du ein großes Unternehmen bauen, das du irgendwann verkaufst? Oder willst du ein profitables Geschäft, das dir gehört und dich ernährt? Beides ist respektabel. Aber nur eines passt zu VC.

Wann Bootstrapping gewinnt

Bootstrapping gewinnt, wenn dein Geschäftsmodell ab Tag eins Geld verdient. Wenn du keine zwei Jahre Entwicklung brauchst, bevor der erste Kunde zahlt. Wenn dein Markt stabil genug ist, dass du mit eigenem Tempo wachsen kannst.

Bootstrapping gewinnt auch, wenn du die Kontrolle behalten willst. Kein Board, das mitredet. Keine Liquidation Preference, die bei einem kleinen Exit alles auffressen kann.

Wann VC der richtige Weg ist

VC ist richtig, wenn du ein Produkt hast, das mit mehr Ressourcen überproportional schneller wachsen kann. Wenn der Markt groß genug ist, dass ein Exit plausibel wird. Wenn du ein Team brauchst, das du aus dem Cashflow nicht finanzieren kannst.

Wer VC will, sollte vorher verstehen, wie ein VC-Fonds rechnet: sonst pitcht man an der falschen Mathematik vorbei.

Die dritte Option

Es gibt nicht nur VC oder Bootstrapping. Es gibt Revenue-Based Financing, Fördermittel, strategische Partner, Angel-Investoren ohne Fondslogik, und den langsamen Aufbau mit einem Brotjob daneben. Die beste Finanzierungsform ist die, die zu deinem Geschäftsmodell passt, nicht die, die am meisten Respekt auf LinkedIn erntet.

In der Diagnose klären wir, welcher Weg zu deinem Geschäft passt.

Was VC zusätzlich kostet, bevor du einen Cent siehst: Kosten einer Finanzierungsrunde.

Weiterlesen

Wie rechnet ein VC-Fonds?: Ein Fonds muss sein Geld verzehnfachen. Was das für dein Startup bedeutet.

Wann du lieber Angestellter wirst: Drei Entscheidungswege nach der Vier-Beweise-Prüfung. Warum ein ehrliches Nein sechs Monate spart.

Was kostet eine Finanzierungsrunde wirklich?: Warum eine Seed-Runde 10.000 bis 30.000 Euro kostet, bevor du einen Cent siehst.

VC-GleichungDefault Alive / Default Dead

Wie rechnet ein VC-Fonds?

Investor sagt „spannend“ und meldet sich nicht

Liquidation Preference erklärt

Was steht in einem Term Sheet?

Quelle

Fatal Capital

Dieser Artikel basiert auf Svens Buch.

Mehr zum Buch →
Nächster Schritt

Co-Investment Check

Eine Stunde, 595 €. Wir prüfen, ob wir bei dir einsteigen. Beide Bücher bekommst du vorab als PDF.

Co-Investment Check buchen
← Alle Artikel