Wie rechnet ein VC-Fonds?

Was du verstehen musst, bevor du vor einem Investor sitzt

Die meisten Gründer, die zum ersten Mal Venture Capital aufnehmen wollen, haben keine Ahnung, wie der Mensch auf der anderen Seite des Tisches rechnet. Sie pitchen ihr Produkt, ihre Vision, ihre Leidenschaft. Und dann wundern sie sich, warum der Investor „spannend“ sagt und nie wieder anruft.

Das Problem ist nicht dein Produkt. Das Problem ist, dass du nicht verstehst, welches Problem der Investor hat. Und sein Problem ist ein mathematisches.

Ein Fonds muss sein Geld zurückbringen, und zwar vervielfacht

Ein typischer VC-Fonds hat eine Laufzeit von zehn Jahren. Die Investoren, die das Geld in den Fonds gegeben haben, sogenannte Limited Partners, erwarten am Ende mindestens das Dreifache zurück. Eher mehr. Gute Fonds liefern das Fünf- bis Zehnfache.

Das bedeutet: Ein Fonds mit 50 Millionen Euro muss über seine Laufzeit 150 bis 500 Millionen Euro zurückbringen. Aus 30 bis 40 Investments. Das ist die Rechnung, die im Kopf deines Gegenübers läuft, während du ihm dein Pitch Deck zeigst.

Die Power-Law-Verteilung

Venture Capital funktioniert nach einer brutalen Logik: Von 30 Investments in einem Portfolio scheitern rund zwanzig. Vielleicht ein Drittel geht komplett auf null. Ein weiteres Drittel bringt das eingesetzte Kapital gerade so zurück. Und die Rendite des gesamten Fonds hängt an den wenigen Ausreißern, den zwei oder drei Investments, die alles verzehnfachen oder verhundertfachen.

Das ist keine Vermutung. Das ist eine statistische Gesetzmäßigkeit, die Power-Law-Verteilung. Und sie hat massive Konsequenzen für dich als Gründer.

Genau diese Power-Law-Logik erklärt, warum Investor sagt „spannend“ so oft die letzte Antwort ist.

Was das für deinen Pitch bedeutet

Wenn ein Investor dein Startup ansieht, fragt er sich nicht: „Ist das eine gute Firma?“ Er fragt sich: „Kann dieses Investment alleine meinen gesamten Fonds zurückbringen?“

Bei einem 50-Millionen-Fonds und einem 500.000-Euro-Ticket heißt das: Dein Startup müsste auf eine Bewertung von 500 Millionen oder mehr kommen, damit das Investment für den Fonds relevant wird.

Wenn dein Geschäftsmodell ein solides Handwerksunternehmen ergibt, das in fünf Jahren fünf Millionen Umsatz macht und gute Gewinne abwirft, herzlichen Glückwunsch, das ist ein tolles Geschäft. Aber kein VC-Case. Kein Investor wird dir dafür Geld geben, weil es seine Fondsrechnung nicht bedient.

Warum „spannend“ gar nichts bedeutet

Wenn ein Investor nach deinem Pitch „spannend“ sagt, heißt das in der Regel: „Ich finde dich sympathisch und will nicht unhöflich sein.“ Es heißt nicht, dass er investieren wird. Echtes Interesse erkennst du daran, dass er konkrete Fragen stellt: Wie sieht deine Einheitenrechnung aus? Wer sind deine ersten zehn Kunden? Wie schnell wächst der Umsatz von Monat zu Monat?

Wenn diese Fragen nicht kommen, hast du entweder den falschen Fonds angesprochen, einen, dessen Beuteschema du nicht triffst, oder dein Pitch hat nicht gezeigt, dass du die Fondslogik verstehst.

Was du tun kannst

Bevor du den nächsten Investor ansprichst, stell dir eine einfache Frage: Wenn dieser Fonds 500.000 Euro in mein Unternehmen investiert, bei welcher Bewertung, in welchem Zeitraum, durch welchen Exit-Kanal bekommt er mindestens das Zehnfache zurück?

Wenn du diese Frage nicht beantworten kannst, bist du noch nicht bereit für VC. Das heißt nicht, dass dein Geschäft schlecht ist. Es heißt, dass du entweder dein Modell weiterentwickeln musst, bis die Rechnung aufgeht, oder dass eine andere Finanzierungsform besser zu dir passt.

In unserem Buch „Fatal Capital“ gehen wir diese Rechnung Schritt für Schritt durch. In der Diagnose prüfen wir, ob dein konkretes Geschäftsmodell die Fondslogik bedient, oder ob du dir und dem Investor Zeit sparst, indem du einen anderen Weg gehst.

Wer die VC-Mathematik verstanden hat, muss als nächstes den richtigen Fonds finden: nicht jeder ist es.

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VC-GleichungPower Law

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Quelle

Fatal Capital

Dieser Artikel basiert auf Svens Buch.

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