Wie du den richtigen Fonds findest

Vier Zwänge, die Absagen besser erklären als jede Analyse deines Decks

Bei dreißig Investorengesprächen können fünfundzwanzig von Anfang an kein Ja produzieren, unabhängig vom Pitch, unabhängig von den Zahlen, unabhängig von der Geschichte. Der Grund liegt nicht beim Gründer. Der Grund liegt in den Parametern des Fonds.

Ein Fonds ist eine Maschine mit Regeln. Er hat eine begrenzte Laufzeit, eine Investitionsperiode, ein definiertes Volumen, eine Zielzahl an Investments und ein Mandat, das festlegt, in welcher Phase, in welcher Region und in welcher Branche investiert werden darf. Diese Regeln kommen von den Geldgebern des Fonds, und der Fondsmanager kann sie nicht biegen. Vier Zwänge erklären Absagen besser als jede Analyse des Pitchdecks.

Voraussetzung für die richtige Auswahl: zu verstehen, wie ein VC-Fonds rechnet.

Stage Fit

Jeder Fonds hat ein Mandat für bestimmte Phasen. Pre-Seed, Seed, Series A, das sind nicht nur Labels für die Unternehmensgröße, sondern Risikoprofile mit unterschiedlichen Instrumenten und Erwartungen. Ein Series-A-Fonds begleitet Firmen, die Product-Market Fit gezeigt haben. Was er nicht hat, sind die Instrumente für eine Gründerin, die noch keinen zahlenden Kunden über einen planbaren Kanal gewonnen hat.

Wenn auf der Website „Wir investieren in innovative Bildungstechnologie" steht, heißt das: in Bildungstechnologie, aber in welcher Phase? Ein Sushi-Restaurant und ein Fischmarkt haben beide mit Fisch zu tun. Zum Sushi-Essen gehst du trotzdem nicht auf den Fischmarkt.

Der Partner kann noch so beeindruckt sein. Wenn sein Fonds in deiner Phase nicht investieren darf, ist das Gespräch verschwendete Zeit, für beide Seiten.

Falscher Stage Fit ist die häufigste Ursache, wenn Investor sagt „spannend“.

Ticket Band

Jeder Fonds hat eine typische Ticketgröße, den Betrag pro Erstinvestment. Die Spanne reicht von 100.000 Euro bei kleinen Pre-Seed-Fonds bis zu 30 Millionen bei Growth-Investoren. Ein großer Fonds kann nicht sinnvoll kleine Tickets schreiben, weil sich der Aufwand für Due Diligence und Board-Begleitung bei einem 200.000-Euro-Investment nicht rechnet. Umgekehrt kann ein kleiner Fonds mit 30 Millionen Volumen keine Fünf-Millionen-Runde anführen, weil er damit einen Großteil seines Kapitals in einen einzigen Deal stecken würde.

Die Ticketgröße steht selten auf der Website, lässt sich aber über Crunchbase oder PitchBook aus den letzten Investments ableiten.

Ownership Target

Die meisten Fonds brauchen zehn bis zwanzig Prozent Beteiligung pro Investment, damit die Rendite im Power-Law-Modell aufgeht. Ownership hängt an zwei Dingen: der Ticketgröße und der Bewertung.

Gründer denken in Bewertung, weil Bewertung sich anfühlt wie Anerkennung. Investoren denken in Ownership, weil Ownership der Renditehebel ist. Ein profitables Geschäft mit hoher Bewertung kann genau deshalb für einen Fonds nicht funktionieren: Das Ticket reicht nicht für die Mindestquote. Der Partner sagt dann „Super Firma, passt aber nicht in unsere Rechnung", und der Gründer denkt, er sei nicht gut genug. Ist er. Die Rechnung ist eine andere.

Reserves und Kapazität

Gute Fonds halten dreißig bis fünfzig Prozent ihres Kapitals für Folgeinvestments zurück. Ist das Geld aufgebraucht oder die Investitionsperiode vorbei, gibt es kein Nachschießen, auch wenn der Partner es gerne würde. Ein Fonds im achten Jahr seiner Laufzeit mit aufgebrauchten Reserven ist kein Partner für eine Bridge-Runde, egal wie gut die Beziehung ist.

Dasselbe gilt für die Board-Kapazität. Acht bis zwölf aktive Begleitungen pro Partner, und wenn der Kalender voll ist, nimmt er keine neuen Deals an. Eine Partnerin mit zehn Board-Sitzen wird dein Gespräch nehmen, weil Pitches für sie Marktforschung sind. Investieren wird sie nicht.

Fünf Fragen vor jedem Meeting

Investiert der Fonds in meiner Phase? Passt sein Ticket in meine Runde? Kann er sein Ownership-Ziel bei meiner Bewertung erreichen? Hat er noch Kapital für neue Investments? Hat der Partner Kapazität?

Die Informationen sind nicht geheim. Fondswebsites zeigen Portfolio, Team und These. Crunchbase zeigt historische Investments. LinkedIn zeigt Netzwerke. Fund-Announcements zeigen Fondsgrößen. Zehn Minuten Recherche pro Fonds reichen für eine grobe Einordnung, weniger als die Fahrtzeit zu einem Meeting, das strukturell nie hätte stattfinden müssen.

Aus der Recherche ergeben sich drei Körbe: Lead-Kandidaten, die die Runde anführen können; Follower, die sich an eine geführte Runde anhängen; und Angels oder Strategics, die aus Überzeugung oder Branchenkenntnis investieren. Die Sortierung ist entscheidend, weil Fundraising Momentum braucht. Ohne Lead wartet jeder auf den anderen. Mit einem Lead entsteht ein Signal, das Follower anzieht.

Ein konkretes Beispiel. Du recherchierst einen Fonds, der „Bildungstechnologie" auf der Website hat. Portfolio: zwölf Unternehmen, davon drei EdTech. Crunchbase: letzte fünf Investments zwischen 300.000 und 1,5 Millionen, alles Pre-Seed und Seed. LinkedIn: zuständige Partnerin hat sechs Board-Sitze, postet regelmäßig über Lern-Analytics. Fund Announcement: neuer Fonds vor vierzehn Monaten. Kein Portfolio-Konflikt. Phase passt, Ticket passt, Partnerin hat Kapazität, frisches Kapital. Dieser Fonds gehört auf die Lead-Liste. Zehn Minuten, eine klare Entscheidung.

Die Versuchung, jedes Meeting mitzunehmen, weil „man ja nie weiß", ist groß. Aber wer seine Fundraising-Zeit auf Nebeneffekte setzt, braucht entweder sehr viel Glück oder sehr viel Ausdauer, und beides ist endlich.

In der Validierung bauen wir die Fondsliste gemeinsam auf und filtern, bevor gepitcht wird.

Der Positiv-Filter ist die eine Hälfte. Die andere: schlechte Investoren erkennen.

Mit dem richtigen Fonds im Kalender geht es weiter: Was Investoren in Meetings wirklich prüfen.

Weiterlesen

Wie rechnet ein VC-Fonds?: Ein Fonds muss sein Geld verzehnfachen. Was das für dein Startup bedeutet.

Wie erkenne ich einen schlechten Investor?: Warnsignale vor und nach dem Investment.

Was Investoren in Meetings wirklich prüfen: Was im Investorenmeeting tatsächlich passiert und welche Fragen entscheidend sind.

VC-GleichungPower Law

Wie rechnet ein VC-Fonds?

Investor sagt „spannend“ und meldet sich nicht

Liquidation Preference erklärt

Was steht in einem Term Sheet?

Quelle

Fatal Capital

Dieser Artikel basiert auf Svens Buch.

Mehr zum Buch →
Nächster Schritt

Co-Investment Check

Eine Stunde, 595 €. Wir prüfen, ob wir bei dir einsteigen. Beide Bücher bekommst du vorab als PDF.

Co-Investment Check buchen
← Alle Artikel