Einheitenrechnung: Was pro Kunde wirklich übrig bleibt

Warum der Monatsumsatz lügt und wie du auf der richtigen Ebene rechnest

87.000 Euro Umsatz im Januar, alle Rechnungen bezahlt, keine Ausfälle. Im Februar sieht es ähnlich aus. Wenn man die Monate nebeneinanderlegt, weist die Kurve nach oben. Trotzdem lässt sich anhand dieser Zahlen nicht beurteilen, ob das Geschäft gesund ist.

Monats- und Jahresumsätze mischen gute und schwache Fälle, schnelle und langsame Arbeit, glatte und problematische Aufträge. Ein Auftrag, der 15.000 Euro Umsatz bringt und 12.000 Euro an realer Arbeitszeit, Nacharbeit und Abstimmung verschlingt, sieht in der Monatssumme genauso aus wie ein Auftrag, der 15.000 Euro bringt und 4.000 Euro kostet. Beide erhöhen den Umsatz um denselben Betrag. Einer davon finanziert das Unternehmen. Der andere beschäftigt es.

Die Einheitenrechnung ist die Stufe Ertrag im Vier-Beweise-Framework.

Die richtige Ebene

Die Einheitenrechnung verschiebt die Perspektive vom Gesamtumsatz auf die einzelne Leistungseinheit: ein Paket, ein Modul, ein Zyklus, ein Sprint. Die kleinste operative Einheit, auf der Erlös, Aufwand und Beitrag für Entscheidungen brauchbar werden.

Wer Pakete verkauft, rechnet pro Paket. Wer Projekte liefert, rechnet pro Projekt. Wer Zyklen durchführt, rechnet pro Zyklus. Die Einheit muss groß genug sein, um einen vollständigen Leistungszyklus abzubilden: Beginn, Durchführung, Abschluss. Und klein genug, um Unterschiede zwischen einzelnen Fällen sichtbar zu machen.

Eine einzelne Arbeitsstunde ist zu klein, weil sich daraus kein Leistungsergebnis ablesen lässt. Ein Geschäftsjahr ist zu groß, weil darin Dutzende Fälle unterschiedlicher Qualität verschwinden.

Monatsumsatz und Jahresergebnis sind klassische falsche Signale: sie verbergen, was wirklich pro Kunde reinkommt.

Was kommt rein

Der Erlös pro Einheit klingt eindeutig, ist es aber oft nicht. Ein Paketpreis von 899 Euro ist klar. Ein Modulpreis von 35.000 Euro, der bei manchen Kunden als Festpreis und bei anderen nach Aufwand abgerechnet wird, verwischt die Vergleichsbasis. Ohne einheitliche Preisform pro Leistungstyp lässt sich nicht beurteilen, ob das Modul profitabel ist.

Zur Erlösseite gehört auch die Frage, wo das Paket aufhört. Was passiert, wenn der Kunde zusätzliche Leistungen erwartet, die im Angebot nicht stehen? Was passiert bei Terminverschiebungen, die den Zyklus verlängern? Jede dieser Situationen verändert den realen Aufwand, ohne den Erlös zu verändern. Ohne Grenzregel dehnt sich das Paket still aus.

Was geht raus

Die realen Kosten pro Einheit umfassen alles, was für die Erbringung aufgewendet wird. Die Betonung liegt auf „real". In den meisten Unternehmen tauchen drei Kostenblöcke in keiner Kalkulation auf:

Gründer-Arbeitszeit. Die teuerste Stunde im Unternehmen, weil sie die knappste Ressource bindet. Umfangsklärung, Review, Problemlösung, Kundenabstimmung, also Tätigkeiten, die im Tagesgeschäft verschwinden und in keinem Timesheet stehen. Die Frage, wie viele Stunden eigener Zeit in einem typischen Auftrag stecken, erzeugt zuverlässig Unbehagen, weil die ehrliche Antwort fast immer höher ausfällt als die erste Schätzung.

Stille Kostentreiber. Terminverschiebungen, Korrekturen aus unklarem Umfang, unberechnete Zusatzarbeit, wiederkehrende Sonderkosten bei bestimmten Kundentypen. Sie tauchen in keiner Planrechnung auf, entstehen im laufenden Betrieb und werden erst deutlich, wenn jemand sie auf die einzelne Einheit herunterbricht.

Nacharbeit. Arbeit, die entsteht, weil das Ergebnis beim ersten Durchlauf die Anforderung nicht erfüllt hat. In der Rechnung erscheint sie als Aufwand. In der Wirkung ist sie doppelt schädlich: Sie kostet Zeit und sie verzögert den nächsten Fall.

Was bleibt

Der Beitrag pro Einheit ist Erlös minus reale Kosten. Die Zahl allein sagt bereits mehr als der Monatsumsatz. Entscheidend wird sie, wenn verschiedene Einheiten nebeneinandergelegt werden.

Ein Audit mit einem Preis von 10.000 Euro und realen Kosten von 4.800 Euro liefert einen Beitrag von 5.200 Euro bei zwölf Stunden Gründer-Arbeitszeit. Ein Projektmodul mit einem Preis von 35.000 Euro und realen Kosten von 26.000 Euro liefert einen Beitrag von 9.000 Euro, bei vierzig Stunden Gründer-Arbeitszeit. Der absolute Beitrag des Moduls ist höher. Pro Stunde Gründer-Zeit liegt das Audit vorne. Zwei Aufträge, die im Monatsumsatz gleichwertig aussehen, binden die knappste Ressource im Unternehmen völlig unterschiedlich.

Derselbe Effekt zeigt sich bei Kundentypen. Ein Standardfall mit glattem Verlauf kann bei identischem Preis einen positiven Beitrag liefern, während ein Fall mit hohem Sonderbedarf und fünf bis acht Stunden Zusatzaufwand den Beitrag auf null oder darunter drückt. Im Durchschnitt sieht es noch tragfähig aus. In der Einzelbetrachtung zeigt sich, dass ein einziger Sonderfall den Gewinn eines Standardfalls aufzehrt.

Was daraus folgt

Die Einheitenrechnung beantwortet drei Fragen, die der Monatsumsatz offenlässt: Welche Auftragsform liefert den höchsten Beitrag bei der geringsten Engpassbelastung? Welche Form liegt im Grenzbereich und lässt sich durch Preisanpassung oder Umfangsschärfung heben? Und welche Form bringt Umsatz, der beschäftigt, ohne zu finanzieren?

Die dritte Frage ist die härteste. Sie verlangt, Umsatz loszulassen. Ohne die Rechnung auf Einheitenebene bleibt diese Entscheidung eine Bauchentscheidung. Mit ihr wird sie eine begründete Führungsentscheidung.

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Eine schwache Einheitenrechnung wird später im Cap Table sichtbar, bei der Bewertung und beim Verwässerungsdruck. Mehr dazu: Cap Table für Einsteiger.

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Quelle

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Dieser Artikel basiert auf Svens Buch.

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